Mit Yukon Wild  auf dem Teslin River

Erlebnisbericht von Sebastian Hempel

 

Wildnis Abenteuer auf dem Teslin River


Es sollte das Abenteuer unseres Lebens werden. Schon ein Jahr zuvor hatten wir beschlossen, nach Kanada zu reisen. Wir wollten die Wildnis erleben und dort einen Fluß mit dem Kanu befahren. Unsere Wahl fiel auf den Teslin River, ein Zufluß des berühmten Yukon Rivers, an welchem vor mehr als hundert Jahren der letzte große Goldrausch stattfand. Wir, das sind sechs unternehmungslustige Sachsen, suchten allerdings weniger das Gold als eher Natur, Wildnis und Abenteuer. Und das sollten wir bekommen. Nach gründlicher Vorbereitung ging es im Juni 2002 endlich los. 
Mit drei leuchtendroten Kanus "stachen wir in See". Unser Guide steuerte sein eigenes, weißes Kanu, indem sich auch sein Husky befand. Kaum hatten wir die erste Biegung des Flusses umrundet, umgab uns Stille und Einsamkeit. Urplötzlich war der Highway und die Zivilisation weit weg. Nach anfänglichem, kurzem Regen paddelten wir bei schönstem Sonnenschein durch diese herrliche, menschenleere Landschaft. Der Teslin fließt hier noch gemächlich, in eins zwei Tagen sollte sich dies ändern. Steilufer wechselten mit flachen Wiesenstreifen. Enten versuchten sich angesichts unserer Kanukolonne im Schilf zu verstecken, dann hoben aus dem Ufergras zwei Kanadagänse ab. Der Adler zog weit über uns seine Kreise. Sonst keine Menschenseele. Das Abenteuer begann.
Unsere Leidenschaft, das Fliegenfischen, konnten wir in vollen Zügen genießen. Der Teslin River ist ein mittelgroßer Fluß mit glasklarem Wasser und eignet sich hervorragend zum Angeln. Es gibt Äschen zuhauf, dann Forellen und Hechte. Und sie bissen viel leichter,  als wir es von Europa gewohnt waren. Jeden Abend erweiterten wir unseren Speiseplan, der ohnehin nicht sehr mager war, mit unseren Fängen. Unser Guide, Elisabeth, staunte immer wieder.
Am 6. Tag unserer Tour sollten wir dann etwas erleben, was wir unser Leben nicht mehr vergessen werden. Wir hatten das Camp auf einer sandigen Insel mitten im Fluß aufgebaut. In der Nacht war es ein wenig windig gewesen. Ein neuer Tag brach an. Elisabeth und meine Eltern machten schon ihre Morgenwäsche. Mein Bruder und ich lagen noch faul im Zelt. Da hörten wir auf einmal einen gewaltigen Platsch und dachten zuerst einer sei ins Wasser gefallen. Aber nichts dergleichen. Mein Vater rief, Elisabeth rief. Wir sprangen sofort auf und rannten zum Fluß. Dort sahen wir der Natur grausame Wirklichkeit. Ein Grizzly hatte ein Elchkalb ins  Wasser getrieben. Das Kalb schwamm wörtlich um sein Leben und beide kamen direkt auf uns zu. Der Bär hatte zum Glück einen größeren Abtrieb und schaffte es nicht, das Kalb einzuholen. So sehr er sich auch anstrengte, er verschwand langsam hinter der nächsten Biegung. Das Kalb strampelte weiter und verschwand erst ein paar Minuten später. Zwar hinter der gleichen Flußbiegung aber am sicheren Ufer. Vor Aufregung und Spannung hatte keiner von uns eine Kamera geholt.
Elisabeth meinte, daß es wahrscheinlich die Spuren dieses Bären gewesen waren, die wir am Abend zuvor im Sand gesehen hatten. Nach diesem Erlebnis brauchten wir etwas Ordentliches zu Futtern. Es gab eine Riesenpfanne Eier mit Speck und Zwiebeln, dazu tüchtig Kaffee und heiße Schokolade. Danach bauten wir unser Lager ab und fuhren weiter.
Unser nächstes Ziel war Hootalingua, das ist die Stelle wo wir Yukonwasser zu spüren bekamen. Hier fließt der Teslin in den Yukon River. Hootalingua war früher ein kleines Dorf mit Polizei- und Telegraphenstation. Nach kurzer Pause und einem Plausch mit den ersten weiteren Paddlern, die über den Lake Laberge den Yukon River hinunter gekommen waren, ging es weiter. Gleich um die Ecke erreichten wir unser nächstes Ziel, die SS Evelyn - ein Schaufelraddampfer der 1908 gebaut wurde und Jahr für Jahr die Strecke Whitehorse - Dawson City abfuhr. In den 50er Jahren wurde sie nicht mehr gebraucht und liegt seit dem an diesem Ort auf dem Trockendock. So gegen Mittag machten wir auf einer Insel Halt, um unser Lunch einzunehmen. Jetzt fuhren wir non-stop zum nächsten Camp. Nachdem die Zelte aufgestellt waren, das Lager eingerichtet und das Feuer entfacht war, gab es Abendessen: Linsensuppe. Wir erzählten und träumten am Lagerfeuer noch lange in die Nacht hinein, und verschwanden nach Mitternacht noch im Hellen in unsere Zelte. Unser Camp an diesem Tag tauften wir "Chemnitz-Wetzlar Ade". Wie der Name entstand, ist aber eine andere Geschichte.
 
Das war ein Ausschnitt aus unserer Tour, die wir noch lange in Erinnerung behalten werden. Ein Tag von drei Wochen, eine schöne Zeit, fantastische Natur, gutes Essen, herrliche Camps und natürlich die Geschichte des Goldrauschs, daß alles erwartet Euch auf dieser Reise. Mit Hilfe von Elisabeth und Rainer, schon bei der Vorbereitung, ist eine solche Tour ein Erlebnis, von dem man lange Zeit zehren kann. Oder man wird süchtig!!!

 

Falls ihr noch mehr zu der Tour wissen möchtet, könnt ihr mir gerne eine Mail schicken.

Hempinr1@aol.com  

  

 
Sebastian Hempel

 

 

 

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