Auf dem Dezadeash River

Erlebnisbericht von Florina Raiser

Kanutour am Rande des Kluane Nationalparks

Lange haben wir uns auf diese Tour gefreut – und wir wurden nicht enttäuscht, im Gegenteil!

Wir (Hartmut und ich) sind nun schon zweimal im Yukon gewesen und haben mit Rainer so manchen Flusskilometer gepaddelt. Dieses Mal haben wir uns wieder den Liard ausgesucht. Da wir aber nach der etwa 1 ½-wöchigen Tour noch nicht wieder nach Hause wollten, empfahl Rainer uns, den Dezadeash „auf eigene Faust“ zu paddeln. Er hat uns gut ausgerüstet und mit allem Nötigen versorgt, von Säge und Spaten über Lebensmitteltonne (reichlich bepackt) und Speiseplan bis hin zu guten Karten und vielen hilfreichen Informationen und Tipps, wo wir übernachten können.

Zunächst wurden wir mit dem Auto zum Dezadeash-Lake gebracht, etwas südlich von Haines Junction, am Rand des Kluane Nationalparks gelegen.

Die Tour beginnt am nördlichen Ufer des Dezadeash-Lake, etwa zwei Autostunden von Whitehorse entfernt. Kanu und Ausrüstung werden abgeladen - und da stehen wir nun, mit Blick auf den recht großen See und das eindrucksvolle Panorama der St. Elias - Berge. Der See liegt ruhig da – noch! Also geht’s los. Rainer hatte uns geraten, bei Wellen, die hier mittags recht hoch werden können, lieber ans Ufer zu fahren; aber von Wellen keine Spur. Nach einer halben Stunde jedoch - inzwischen ist es Mittag geworden - bläst der Wind immer kräftiger und die Wellen werden immer stärker, wir müssen ständig gegen den Wind kreuzen. Ich sitze vorne im Kanu und platsche immer wieder ins Wellental. Wir kommen kaum noch voran, also beherzigen wir nun doch Rainers Rat und paddeln ans Ufer, was bei der Brandung und den Steinen gar nicht so einfach ist, aber schließlich doch gelingt!

Nachmittags legt sich der Wind dann tatsächlich und wir können weiterpaddeln. Schließlich schlagen wir unser Camp am Übergang vom Dezadeash Lake zum Six-Mile-Lake auf, mit Blick auf die mächtigen St. Elias Berge, von denen wir reichlich Fotos machen. Leichter Nieselregen beeinträchtigt die Stimmung nicht wirklich. Unter dem Tarp finden wir, dass man in drei Wochen auch mal ein paar Regenstunden akzeptieren kann.

 

Nachdem wir am nächsten Tag den langgezogenen Six-Mile-Lake durchfahren haben, kommen wir schließlich zum Dezadeash River. Von nun an können wir täglich die tollsten Tierbeobachtungen machen: halbjunge Elche, die ungestört durchs Wasser waten; ein Adlerjunges im Horst; ein Stachelschwein, das abends zum Trinken und einem kurzen Bad zum Fluss kommt; ein Schwarzbär am Ufer – in einiger Entfernung; Biber und Enten; Hechte und Äschen, weniger zum Beobachten als zum Essen…Bis Champagne Landing fließt der Fluss ruhig dahin. Es begegnet uns noch hin und wieder ein Motorboot, vor allem Indianer, die wohl zum Fischen auf den See fahren; nach Champagne Landing, wo es die letzte direkte Zufahrt zum Fluss gibt, fahren auch keine Motorboote mehr, nun sind wir tatsächlich allein.

Von jetzt an fließt der Dezadeash parallel zum Alaska Highway nach Haines Junction. Selbst wenn es manchmal nur wenige hundert Meter zur Straße sind, hört man sie nie. Der Charakter des Flusses ändert sich, das Ufer ist in diesem mittleren Abschnitt der Tour dicht bewaldet, die Bäume, die ins Wasser ragen, sind nicht mehr abgesägt. Die Tierbeobachtungen nehmen weiter zu: Einmal steht ein Elchbulle fast direkt vor uns im Wasser, als wir um eine Kurve biegen. Ein anderes Mal liegt ein Elchbulle schlafend am Ufer. Als wir in nur wenigen Metern an ihm vorbeifahren, hebt er seinen mächtigen Kopf und erhebt sich langsam – überlegt er, ob er wohl ins Wasser steigen soll? Zum Glück tut er es nicht, und schon sind wir vorbei und wundern uns, Mensch wie Tier, was das denn jetzt wohl war.

Auch Eulen sehen wir immer wieder, sie fliegen recht dicht und lautlos über unserem Kanu von einem Ufer zum anderen, sodass ich den Dezadeash hier „Fluss der Eulen“ nenne.

Das für mich schönste Tiererlebnis findet allerdings nachts statt und ist nur zu hören; ich wache gegen 4 Uhr auf und höre aus der Ferne von den Bergen herunter zwei Wölfe heulen! Das klingt wirklich eindrucksvoll – ein wahres Highlight in der Wildnis!

Und weiter geht’s auf dem Fluss. Die Ufer werden steiler, manchmal müssen wir unsere Ausrüstung die Böschung hinauf tragen, weil man am Ufer selbst nicht campen kann, manchmal sogar kaum aussteigen kann. Die Schlepperei ist zwar anstrengend, dafür entschädigt uns der Blick auf den Fluss mit seinen vielen Windungen und Kurven.

Gegen Ende der Fahrt wird das Wasser nun noch einmal deutlich schneller. Ach ja, Rainer sprach ja auch vom „interessanteren Teil der Tour“! Wir müssen mächtig aufpassen, weder ins Kehrwasser noch allzu sehr in die Außenkurven zu geraten, in denen sich viel Holz angesammelt hat. Aber so können wir unsere auf den vergangenen Touren gelernte Technik einsetzen und bekommen noch mal ordentlich Geschwindigkeit. Dann wird der Dezadeash allmählich breiter und teilt sich in verschiedene Arme – da heißt es, immer das meiste Wasser und damit den Hauptfluss zu finden.

Am letzen Abend sehen wir wieder die Gipfel und Gletscher der St. Elias - Berge vor uns liegen, denn auf unserer Fahrt auf dem Dezadeash haben wir uns um fast 180 Grad gedreht und kommen nun am letzten Tag mittags nach 200 Flusskilometern in Haines Junction an, wo wir wieder abgeholt werden. Ich bin glücklich, weil wir alles so gut überstanden haben, begeistert von den vielen Tierbeobachtungen und der wundervollen und abwechslungsreichen Landschaft mit all den vielen Kurven,  Wäldern, Steilhängen und Ausblicken– aber auch traurig, weil unsere Tour nun zu Ende ist und es zurückgeht in die Zivilisation. Da hilft nur eines: Wiederkommen – und zwar möglichst im nächsten Sommer! Es gibt noch viele Flüsse im Yukon, die wir noch nicht kennen….

 

Viel Spass bei Eurer Tour auf dem Dezadeash River

Florina Raiser

 

 yuklogo2.gif (1726 Byte)

 
 
 

Abenteuer-Reisen Yukon Wild
P.O. Box
40132 Whitehorse, Yukon, Y1A 6M8 Kanada
Phone : 001 867 668 5511