|
|
||||
Mit Yukon Wild auf dem Big Salmon RiverErlebnisbericht von Joachim Rieger
|
|
Am Abend
(die Definition ist nicht ganz einfach, da die Dunkelheit erst gegen
Mitternacht langsam einsetzt) erreichten wir unser erstes Camp. Rainer
zeigte uns, wie die Zelte und das Camp aufgebaut werden. Bei der
Suche nach „toten“ Bäumen fanden wir Labradortee, der hier und im
oberen Verlauf des Big Salmon Rivers wächst. Der Tee war äußerst
schmackhaft und kann dem schwarzen Tee jederzeit vorgezogen werden. Am
Feuer wurden wir dann bei der Speisenauswahl richtig überrascht, denn es
gab Lauchkartoffeln mit Sauerrahm. Man könnte jetzt statt einem
Reisebericht einen kulinarischen Führer für die Tour schreiben.
Unsere Route führte uns über den Sandy-Lake zum Big Salmon Lake, wo sich
unser zweites Camp befand. Auch diese Seen zeigten sich von ihrer besten
Seite. Wir machten hier unsere erste Begegnung mit Großwild (einer
Elchkuh mit Kalb). Rainer sorgte schon während der Fahrt für das
Abendessen, indem er für uns, wie sich am Abend noch herausstellen
sollte, sehr schmackhafte Seeforellen (Lake Trout) aus dem See holte.
Der Ablauf am Lagerplatz sollte sich nun jeden Tag wiederholen: Zelte
aufbauen, die Lagerplane spannen und dann Brennholz beschaffen. Nach
unserem Dinner gab es zum Abschluß des Tages noch ein traumhaftes
Farbenspiel am See. Nachdem wir nun zwei Tage Zeit hatten, unsere
Kenntnisse in der Paddeltechnik zu vertiefen, ging es am nächsten Tag auf
den Big Salmon River, der gerade im oberen Verlauf als recht schwierig
gilt und hier eine hohe Strömungsgeschwindigkeit besitzt.
Unsere Taktik war ganz klar: wir fuhren dieselbe Route wie Rainer und
beobachteten ihn, wann und wo er den Kurs seines Kanus änderte, um die
Kurven, an deren Ufer sich das Treibholz sammelte, am besten zu nehmen. Es
gab ein paar Stellen, an denen Rainer uns zu unserer eigenen Sicherheit
anleinte. Er mußte die Leine aber nie benutzen, da wir aus eigener Kraft
alle Kurven und Kehren meistern konnten (was nicht zuletzt an unserem
guten Lehrmeister lag). Die einzig schwierige Stelle ist als „Big Log
Jam“ bekannt. Hier gibt es eine Portage, um das Kanu über Land um die
Engstelle zu transportieren. Rainer traute sich jedoch zu, mit seiner
Erfahrung die Kanus durch die Ansammlung von Treibholzbaumstämmen
zu fahren. Wir balancierten auf einem Baumstamm über dem Fluß auf die
andere Seite des Log Jams. Somit war die rasanteste und kritischste Stelle
der Tour gemeistert. Nachdem es jetz wieder etwas ruhiger weiterging,
konnten wir uns nun auch wieder mehr auf die Umgebung konzentrieren. Da
der Fluß schmal ist und sehr viele Windungen aufweist, kommt man in den
Genuß von sehr abwechslungsreichen Landschaften. Rainer hat sehr viel
Erfahrungen auf dem Big Salmon, daher ist es auch nicht verwunderlich, daß
er sehr viele gute Campgrounds an diesem Fluß kennt, auch wenn der
Einstieg nicht jedes Mal vom Ufer aus ersichtlich ist. So zum Beispiel am
Mudcamp, bei dem sich am Ufer nur ein Matschfeld ausbreitet und ein Weg
durch das Dickicht erst den Blick auf ein schönes Waldcamp freigibt.
Bedingt durch die langen Sommertage war es normal, daß wir bis spät in
die Nacht am Lagerfeuer saßen und angeregte Gespräche und Diskussionen führten.
Der Morgen wurde mit dem Brühen von frischem Kaffee und einem deftigen Frühstück
begonnen. Meine Spezialität war geröstetes Schwarzbrot mit zerlaufenem
Ceddar-Käse. So gestärkt lässt sich das Kanu leicht beladen und man ist
rundum gerüstet für die nächste Tagesetappe.
Vor
dem nächsten Camp im Wald lag eine traumhafte Sandbank, rechts und links
davon gab es zwei kleine Bäche und ein weiterer sehr positiver Aspekt: es
gab fast keine Moskitos. Die Zeltplätze waren schnell ausgesucht und das
Lager aufgebaut. Lediglich für das Brennholz mussten wir mit dem Kanu
nochmals weiter flussaufwärts fahren, denn heute sollte es Rainer's
berühmte Buschpizza geben. Dabei sollte das Feuerholz besser
nicht ausgehen. Wir mussten feststellen, daß der Ruf seiner Pizzen, der
ihm vorausgeeilt war, ihm absolut zu recht gezollt wurde. Am nächsten
Morgen machten wir uns mit dem Kanu nach der Seilfährenmethode stromaufwärts
zum gegenüberliegenden Ufer auf. Wir suchten uns eine offene Ebene auf
dem Bergkamm aus und gingen dann mehr oder weniger Luftlinie durch Wälder
und Geröllfelder. Da wir leicht nach rechts abdrifteten verfehlten wir
unser Ziel. Nicht desto trotz hatten wir einen einzigartigen Blick auf den
Big Salmon und seine Umgebung. Der Bilckwinkel aus dem Kanu lässt am Ufer
nur Bäume erkennen. Vom Berg aus sieht man
aber, daß sich hinter den Uferstreifen ausgedehnte Seen
und Wiesen mit saftigem Gras verbergen und es somit verständlich ist, daß
sich Elche lieber dort aufhalten und fressen, als an der vom Fluß geprägten
steilen Uferböschung. Die drei erfahrenen Wanderer hatten zwar jede
Menge Getränke für ihre kleine Bergtour vorbereitet, da sich aber jeder
darauf verlassen hatte, daß der andere sie einpacken würde, hatten wir
an diesem heißen Tag nichts zu trinken dabei. So stiegen wir nicht weiter
auf, sondern kehrten zurück. Die Sandbank und die warme Lufttemperatur
luden zu einem kleinen Bad im Big Salmon ein, dessen Temperatur wir auf
ungefähr 5°C - 7°C schätzten.
Bei
unserem Etappenstart am nächsten Morgen erkannten wir, daß sich die
Landschaft merklich änderte und der Fluß ein wenig an Breite zunahm. Die
Berge um uns herum wurden kleiner. Rainer bemühte sich weiter, unser
Linsenproblem zu lösen. An nahezu jeder kleinen Flusseinmündung
versuchte er, noch ein paar Fische zu fangen, was ihm auch problemlos
gelang. Wir machten noch eine kleine Pause auf einer schönen Flussinsel
und dann ging es zum ersten großen Zufluß des Big Salmon, dem South Big
Salmon. Das Camp war hier zum ersten Mal „zweigeteilt“. Die Zelte
stellten wir im Gebüsch auf und etwa 50 m entfernt im Wald bauten wir
dann das Camp auf. Ich weiß nicht genau, wie Rainer das Camp nannte, in
seiner Flusskarte war es als „nettes Hochcamp, auch für größere
Gruppe geeignet“ eingetragen. Ich nenne es nur das Mückencamp, da es an
keinem anderen Camp so viele Moskitos gab wie hier.
Wie uns unsere Wetterfee Patricia, eine erfahrene Seglerin, am Abend
mitteilte, taten sich am Himmel Regenwolken auf. Als es am nächsten
Morgen wieder losging, fing es, kaum daß wir in unseren Kanus saßen,
auch schon an zu regnen. Auf dem Weg zum North Big Salmon, dem weiteren
großen Zufluß, sollte der Regen anhalten. Es wurde ein richtiger
Regentag (es blieb der einzige). An diesem Tag war es uns egal, ob am Ufer
Bären, Elche oder Weißkopfseeadler (Bald Eagle) auftauchten, für uns
gab es nur ein Ziel: das nächste Camp zu erreichen. Dies war auch daran
zu erkennen, daß wir keine Handbreit hinter Rainers Kanu
hinterherpaddelten.
Das letzte Camp unserer Tour schlugen wie am Yukon River auf, kurz vor
Carmacks dem Ende der Kanutour. Am Himmel war absolut keine Wolke zu sehen
und die Sonne, so schien es uns, wollte nicht untergehen.
Nur wenige Stunden trennten uns nun noch von Carmacks. Der Highway,
Autos und viele Menschen holten uns also letztendlich doch wieder ein.
Wer jetzt noch Fragen hat wie es so war unterwegs, kann sich gerne bei mir melden.
Joachim
Mein e-mail Kontakt ist : joachim.rieger@philips.com
P.S. Eine
Flusskarte mit ein paar Hintergrundinformationen gibt es von:
Autor: Mike
Rourke
Titel: Big
Salmon River – Quiet Lake to Carmacks
ISBN: 0-920655-02-5
![]()
Abenteuer-Reisen Yukon Wild
P.O. Box 40132 Whitehorse, Yukon, Y1A
6M8 Kanada
Phone 001 867 668 5511