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Mit Yukon Wild auf dem Big Salmon River undKluane NationalparkErlebnisbericht von Stefan Klump
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Bereits
die Fahrt zum Quiet Lake, dem Startpunkt unserer Kanutour auf dem Big
Salmon River, über die abenteuerliche South Canol Road bietet eine tolle
Einstimmung auf das, was uns die nächsten Tage und Wochen erwarten wird:
Wildnis pur und eine atemberaubende Landschaft, die bereits in den schönsten
Herbstfarben zu leuchten beginnt.
Noch
am ersten Tag paddeln wir bis zum nördlichen Ende des Quiet Lake, um das
windstille Wetter und damit das ruhige Wasser auszunutzen. Es ist spät
geworden, als wir unser erstes Camp mit Blick über den Quiet Lake und die
umliegenden Berge beziehen. Die nächsten zwei Tage paddeln wir über den
Sandy Lake und Big Salmon Lake bis wir uns am dritten Tag in den engen
Ausfluss des Big Salmon Lake einfädeln – unsere Tour auf dem Big
Salmon River kann beginnen.
Da
wir alle mehr oder weniger Neulinge im Kanufahren sind, macht uns Rainer während
der zwei Tage auf den Seen mit den wichtigsten Paddeltechniken vertraut.
Der Big Salmon River ist gerade im Oberlauf nicht ganz einfach zu befahren.
Die schnellen, engen Kurven mit jeder Menge Treibholzhindernisse haben
schon so manchen Kanuten zum unfreiwilligen Bad im eiskalten Wasser
gezwungen. Die ersten Flusskurven haben wir kaum einen Blick für die schöne
Landschaft um uns herum und sind ganz auf den Fluss und das Kanu
konzentriert. Es ist schon ein riesiger Unterschied, auf einem ruhigen See
zu paddeln oder auf einem schnell fließenden Fluss. Man fühlt sich im
ersten Moment doch ein wenig machtlos, wenn das Kanu einfach so, ohne
etwas zu tun ziemlich schnell vorwärts fährt – dummerweise auch immer
genau auf die Hindernisse zu. Aber dank unseres professionellen Guides
meistern wir unsere ersten Flusskilometer problemlos.
Wir
haben alle kritischen Stellen mit Bravur bestanden, da passiert es doch:
eigentlich eine einfache Stelle, doch eine kleine Unachtsamkeit, unser
Kanu, das auf Grund gelaufen den Weg blockiert, ein bisschen zu dicht
aufgefahren, schon macht das Kanu hinter uns unliebsame Begegnung mit
einem Holzhindernis und die Besatzung entschließt sich zum Bad im
glasklaren und ar...kalten Wasser. Es vergeht zum Glück kaum eine Minute
bis Paddler und Material mit vereinten Kräften am sicheren Ufer sind. Nun
hat es sich doch noch bewährt, dass Rainer uns bei der Abfahrt an diesem
Morgen nochmal extra darauf hingewiesen hatte, alle wasserdichten Säcke
heute besonders sorgfältig zu verschließen und am Kanu zu befestigen.
Alles ist trocken geblieben und die nassen Sachen sind schnell gewechselt.
Bis auf eine verlorene Trinkflasche (die war ja wohl auch nicht angebunden,
lieber Gerd) ist unsere erste und einzige Kenterung glimpflich verlaufen.
Die
Tage auf dem Fluss vergehen wie im Fluge. Das Kanufahren wird nie
langweilig, weil immer wieder schnellere Abschnitte, die die volle
Konzentration erfordern, mit langsameren, gemütlichen Abschnitten
wechseln. Es gibt kaum längere Geraden und hinter jeder Kurve hoffen wir
auf den Anblick des ersten Elches oder Bären. Den Spuren auf den Sandbänken
nach zu urteilen, müsste es hier nur so wimmeln vor lauter Elchen und Bären.
Aber es sollte einige Tage dauern, bis wir einen der scheuen Waldbewohner
zu Gesicht bekommen.
Am
Morgen des 4. Tages auf dem Big Salmon – wir sind gerade vom Camp
gestartet und um die erste Kurve gefahren – signalisiert Rainer, der
grundsätzlich unsere kleine Gruppe anführt, dass er etwas entdeckt hat
und mahnt zur Ruhe. So leise wie möglich lassen wir die Kanus um die
Kurve gleiten und da steht er, unser erster Elch. Eine Elchkuh durchquert
vor uns den Fluss und verschwindet auf der anderen Seite im Wald. Ein
toller Start in einen weiteren erlebnisreichen Tag. Wie schon an den
Vortagen sehen wir auch heute (und in den nächsten Tagen) immer wieder
Weisskopfseeadler. Es sind mittlerweile schon so viele, dass der Anblick
eines stattlichen Adlers, schon fast nichts besonderes mehr ist. Einige
Tage später sehen wir dann noch einen starken Elchbullen. Fehlt nur noch
ein Bär, um auch Joachim von der Existenz Meister Petz’ zu überzeugen.
Und siehe da, noch am gleichen Tag sucht ein Grizzly am Ufer das Weite als
wir vorüberfahren – leider bevor auch Joachim ihn gesehen hat. Später
begegnen wir dann noch drei Schwarzbären am Yukon River, einer davon
rennt sogar beinahe durchs Camp, nachdem ich ihm mit dem Klappspaten (ungewollt)
einen gehörigen Schrecken eingejagt habe. Da Joachim wenigstens einen der
Schwarzbären gesehen hat, leugnet er nun auch nicht länger, dass es im
Yukon Bären gibt.
Ein
Erlebnis der besonderen Art ereignet sich am 5. Abend auf dem Big Salmon.
Nachdem wir bereits zwei Tage zuvor ein schwaches Nordlicht gesehen haben,
flackern auch heute wieder grüne Schleier über den Sternenhimmel, viel
stärker allerdings als beim ersten Mal. Es sollte allerdings noch besser
kommen. Es ist bereits spät geworden, als ich nochmals zum Fluss gehe, um
mir die Zähne zu putzen. Es herrscht eine beeindruckend friedliche Stille.
Plötzlich beginnt recht nahe ein Wolf zu heulen. Sekunden später stimmen
weitere Wölfe in das Geheule ein. Bewegungslos stehe ich am Fluss und
lausche total überwältigt dem Konzert, während über mir die
Nordlichter tanzen. Genauso plötzlich wie es begonnen hat, hört es dann
auch wieder auf.
Am
nächsten Morgen, wir sind gerade beim Fühstück, da beginnen die Wölfe
erneut zu heulen. Diesmal allerdings aus einer anderen Richtung und
wesentlich weiter entfernt. Treffend taufen wir dieses Camp deshalb auf
den Namen: Wolves Camp.
Die
Zeit auf dem Big Salmon rast nur so dahin und viel zu schnell haben wir
das letzte Camp am North Big Salmon River erreicht. Wie zum Abschied
wartet der nächtliche Himmel noch einmal mit einem richtigen Feuerwerk
auf. Lange stehen wir am Fluss und bestaunen das Schauspiel aus grünen
und roten Nordlichtern, die am Nachthimmel tanzen.
Nach
den letzten leichten Stromschnellen auf dem Big Salmon erreichen wir am nächsten
Tag den Yukon River. Welch ein Unterschied: winzig klein kommt man sich
auf diesem riesigen Fluss in seinem Kanu vor. Hindernisse gibt es hier
praktisch keine mehr und wir können uns gemütlich in den nächsten drei
Tagen bis Carmacks treiben lassen, wo unsere Tour am Coal Mine Campground
endet.
Nach
einer ausgiebigen, heißen Dusche machen wir uns auf den Weg zurück nach
Whitehorse und unserem nächsten Abenteuer, der Wanderwoche im Kluane
Nationalpark entgegen. Nach einem kurzen Einkaufsstopp in Whitehorse,
fahren wir weiter zur gemütlichen Cabin am Kluane Nationalpark, die für
die nächsten 7 Tage der Ausgangspunkt für unsere Wanderungen sein wird.
Mittlerweile leuchten alle Laubbäume und Sträucher in den schönsten
Herbstfarben – es ist Indian Summer im Yukon!
Am
ersten Tag steht der Auriol Trail auf dem Programm. Langsam steigt der
Pfad an und wir gewinnen an Höhe, bis wir nach einigen Kilometern die
Baumgrenze erreichen. Das Panorama ist beeindruckend und die Landschaft
leuchtet in den schönsten Farben. In den Bergen hat es bereits geschneit
und die Gipfel sehen aus wie mit Puderzucker bestreut. In großem Bogen
wandern wir durch das bunte Mosaik und ständig bieten sich neue
Fotomotive bis der Pfad wieder im Wald verschwindet. Am späten Nachmittag
sind wir zurück an der Cabin und lassen den Abend nach dem, wie immer üppigen
Abendessen am Lagerfeuer ausklingen. Immer wieder beobachten wir jetzt
nachts Nordlichter.
Am
nächsten Tag wartet der Sheep Mountain darauf, von uns bestiegen zu
werden. Nach der Fahrt zum Ausgangspunkt am Kluane Lake sehen wir auch
gleich, woher der Berg seinen Namen hat. Bereits von hier unten entdecken
wir einige weiße Punkt hoch über uns im Steilhang – Dallschafe. Mit
jedem Meter gewinnen wir an Höhe und schon bald bieten sich die ersten überwältigenden
Aussichten auf den Slim River und die umliegenden Berge. Nachdem wir die
Baumgrenze hinter uns gelassen haben, steigt der Trail steil bergan auf
den Sheep Mountain Ridge. Schon von weitem sehen wir die Dallschafe, die
es sich genau auf unserer Route gemütlich gemacht haben. Langsam gehen
wir weiter und weichen den Dallschafen aus, um sie nicht unnötig zu stören.
Sie haben aber so wenig Scheu, daß sie uns nur wenige Meter an ihnen
vorbeigehen lassen – ein tolles Erlebnis. Kurz bevor wir den Gipfel
erreichen, entdecken wir einen stattlichen Grizzly, der nur etwa 200 m von
uns entfernt ein tiefes Loch gräbt, wohl in der Hoffnung, eines der Erdhörnchen
zu erwischen. Als er uns bemerkt, trottet er langsam von dannen und läßt
sich auf dem nächsten Grat zu einem Mittagsschläfchen nieder. Noch lange
können wir ihn dort beobachten.
Die
Tage vergehen wie im Fluge und wir unternehmen weitere, erlebnisreiche
Wanderungen: Am Quill Creek lassen die Grauwacken mein Geologenherz höher
schlagen und wir sehen gleich drei Schwarzbären auf einmal. Die
anstrengende Tour auf den King’s Throne wird von spektakulären
Aussichten belohnt, auch wenn wir kurz vor dem Gipfel wegen des Sturms und
der Wolken umkehren müssen. Der Trail zum St. Elias Lake bietet noch
einmal ein tolles Farbenspiel und zum Abschied sehen wir eine Schwarzbären-Mama
mit ihrem Jungen.
Die
Kanutour auf dem Big Salmon River und die Wanderwoche im Kluane
Nationalpark sind vorbei und damit drei wunderschöne, erlebnisreiche
Wochen in einer tollen Gruppe. Ich bin sicher, die Tour wird uns allen
unvergesslich in Erinnerung bleiben und vielleicht treffen wir uns ja auf
einer der anderen Touren wieder – im Yukon!
Stephan
Noch
Fragen? Dann dürft Ihr Euch gerne bei mir melden: stephanklump@hotmail.com
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